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Kleinstadt und Dorf



Eine Gemeinde hat eine ähnliche politische Struktur wie ein Bun­desland. An der Spitze ihrer Verwaltung steht ein Bürgermeister. De­zernenten sind ähnlich den Ministern für einen bestimmten Bereich zuständig, z.B. für die Wirtschaft, Umweltfragen, die Kultur oder den Sozialbereich. Auch in einer Gemeinde oder einer Stadt gibt es ein von den Bürgern gewähltes Parlament mit der Aufgabe, die "Regie­rung1, also die Gemeindeverwaltung, zu kontrollieren.

Über 80% der Bevölkerung Deutschlands leben in der Stadt. Vor hundertfünfzig Jahren wohnten und arbeiteten die meisten Men­schen noch auf dem Land. Soziale Reformen und die Industrialisie­rung ließen im vergangenen Jahrhundert viele Kleinbauern und Land­arbeiter in die Städte wandern.

Heute trägt die Landwirtschaft nur knapp 9 Prozent zum Brut­tosozialprodukt der Bundesrepublik bei, obwohl die Land- und Forst­wirtschaft immer noch über 80% der Fläche nutzt und nur 12% für Wohn- und Industriegebiete zur Verfügung stehen.

Das ist Großseelheim. Ein oberhessisches Dorf mit 1 6000 Ein­wohnern in der Nähe der Universitätsstadt Marburg. Um die Kirche herum liegt der Dorfkern mit den ältesten Häusern des Ortes. Typisch sind die Fachwerkhäuser, die es nicht nur in Hessen gibt. Sie bestehen aus einem Gerippe von Holzbalken, deren Zwischenräume mit Stroh und Lehm ausgefüllt wurden. Eine Neubausiedlung am Dorfrand ist erst während der letzten 15 Jahre entstanden.

Früher lebten die meisten Großseelheimer von der Landwirt­schaft. Heute gibt es noch rund 20 Bauern. Sie verdienen ihren Le­bensunterhalt ausschließlich mit Ackerbau und Viehzucht

Andere Dorfbewohner arbeiten in einem der zehn Handwerks­betriebe, von denen einige schon seit Generationen als Familienun­ternehmen geführt werden.

Was gibt es Neues im Dorf? Zumindest im alten Teil des Ortes kennt jeder jeden. Und überall werden Neuigkeiten ausgetauscht, aber auch Dorfklatsch macht die Runde: auf der Straße, im Laden, am Gartenzaun und in der Kneipe. Wie in anderen ländlichen Regionen der Bundesrepublik wird auch in Großseelheim von alten Leuten noch Tracht getragen.

Das Vereinsleben spielt eine große Rolle. Vom Sportklub reicht die Palette bis zum Gesangs-, Schützen- und Geflügelzuchtverein. Jeder Verein feiert seine traditionellen Feste, so dass die Dorfkultur sehr stark von den Aktivitäten dieser Freizeitgemeinschaften bestimmt wird.

Viele Großseelheimer sind Pendler, d.h. sie müssen zur Arbeit in die nahegelegene Kleinstadt Kirchhain fahren. Den älteren Schülern geht es ähnlich, denn die Dorfschule in Großseelheim endet nach der vierten Klasse. Danach müssen sie auf eine weiterführende Schule in einem anderen Ort gehen. Kirchhain hat sechsmal so viele Einwohner wie Großseelheim. Entsprechend anders ist die wirtschaftliche Struktur dieser Stadt. Allein 2 000 Arbeitnehmer sind in den 5 mittleren Industrieunterneh­men, ebenso vielen Baufirmen und den ungefähr 50 Handwerksbe­trieben beschäftigt. Außerdem, gibt es einen großen Dienstleistungs­bereich.

Kirchhain ist ein kleiner Verkehrsknotenpunkt. Die Bahn und Nahverkehrsbusse stellen die Verbindung zu den umliegenden Orten her. Früher zwängten sich bis zu 13 000 Autos täglich durch die engen Straßen. Seit einigen Jahren versucht man diesen Durchgangs­verkehr mit einer Umgehungsstraße aus der Innenstadt herauszuhal­ten.

Die Funktionen Kirchhains für die Umgebung zeigen sich im Stadtbild:

in einer Fußgängerzone wurden mehr Warenhäu­ser und Geschäfte angesiedelt, als es für die Bevölkerung der Kleinstadt nötig gewesen wäre.

200 Parkplätze im Stadtzentrum sollen das Einkaufen für auswärtige Käufer bequemer machen — Freizeitunternehmen und gastronomi­sche Betriebe profitieren auch nach Geschäftsschluss von dieser Situation.

AUSLÄNDER IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

In Deutschland leben nicht nur Deutsche. Menschen aus vielen Ländern der Erde wohnen und arbeiten hier, hauptsächlich aus wirtschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Gründen. Zur Zeit leben in Deutschland ungefähr 4,5 Mio. Ausländer. Davon sind 1,6 Mio. berufstätig. Der weitaus größte Teil der Ausländer wohnt auf dem Gebiet der alten Bundesländer.

Ungefähr 75% der 4,5 Mio. Ausländer kommen aus folgenden Ländern (Stand 1988): 1 524 700 aus der Türkei, 579 000 aus Jugo­slawien, 508 000 aus Italien, 275 000 aus Griechenland, 171 000 aus Polen, 155 000 aus Österreich, 126 000 aus Spanien, 100 000 aus den Niederlanden. In der Vergangenheit brauchten die Unternehmer mehr Arbeits­kräfte als in der Bundesrepublik vorhanden waren. Damals waren ausländische Arbeitnehmer als "Gastarbeiter" sehr willkommen. Sie wurden in großer Zahl ins Land geholt. In vielen Fällen kamen auch die Familien mit. Durch die unterschiedlichen Sprachen und Kulturen sind Span­nungen entstanden, die an einigen Orten zu Ausländerfeindlichkeit geführt haben. Dazu beigetragen haben auch die Wirtschaftskrise der 80er Jahre und relativ hohe Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik.

Seit Anfang der achtziger Jahre besteht ein Anwerbestopp für ausländische Arbeitnehmer. Gleichzeitig wurde der Nachzug von Fa­milienangehörigen eingeschränkt. Eine Zeitlang versuchte die Bun­desregierung, ausländische Arbeitnehmer mit einer Geldprämie zur Rückkehr in ihr Herkunftsland zu bewegen.

Die meisten ausländischen Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland leben in den industriellen Ballungsgebieten und hier be­vorzugt in einigen Großstädten. Es gibt vereinzelt Stadtteile, in denen hauptsächlich Ausländer leben. Dort versuchen sie ihren Alltag, d.h. Arbeit und Freizeit, ähnlich wie in ihren Heimatländern zu organisieren.

In Deutschland leben heute über 1 Mio. ausländische Kinder und Jugendliche. Etwa die Hälfte von ihnen sind schulpflichtig.

Das ist Stravrula. Sie ist in der Bundesrepublik Deutschland geboren und besucht die dritte Klasse einer Grundschule. Ihre Eltern kommen aus Griechenland. Zu Hause spricht Stravrula griechisch, aber in der Schule deutsch. Sie lebt zwischen zwei Kulturen.

Vorlesung 6





Äàòà ïóáëèêîâàíèÿ: 2014-11-29; Ïðî÷èòàíî: 317 | Íàðóøåíèå àâòîðñêîãî ïðàâà ñòðàíèöû | Ìû ïîìîæåì â íàïèñàíèè âàøåé ðàáîòû!



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